Definition
GOTS-zertifiziert bedeutet, dass ein Textil nach dem Global Organic Textile Standard geprüft wurde, und zwar auf den Anteil biologisch erzeugter Fasern, auf die Chemie in der Verarbeitung und auf die Arbeitsbedingungen in der Fabrik. Es ist der strengste weit verbreitete Standard für Biotextilien und deckt die gesamte Kette ab: Entkörnen, Spinnen, Stricken, Färben, Zuschneiden, Nähen und Etikettieren. Ein GOTS-Label auf einem Hoodie sagt also etwas über jeden Betrieb aus, der das Teil in der Hand hatte, und nicht nur über das Baumwollfeld.
Definition
Der Global Organic Textile Standard existiert seit 2006 und wird von einer gemeinnützigen Organisation mit Sitz in Deutschland verwaltet. Für das Siegel braucht es zertifizierte Bio-Fasern und einen zertifizierten Betrieb in jeder Stufe nach dem Feld. Beispiel: Ein Unternehmen bestellt 2.000 T-Shirts aus Bio-Baumwolle. Im Nackenlabel steht eine GOTS-Lizenznummer. Diese Nummer führt zum Scope Certificate des Herstellers, und die Lieferung sollte zusätzlich durch ein Transaction Certificate gedeckt sein, das genau diese 2.000 Stück mit zertifizierter Bio-Baumwolle verknüpft. Fehlt eines der beiden Dokumente, ist die Aussage Marketing und keine Zertifizierung.
Wie GOTS-zertifiziert funktioniert
Es gibt zwei Labelstufen. "Organic" verlangt mindestens 95 Prozent zertifizierte Bio-Fasern. "Made with organic" verlangt mindestens 70 Prozent, wobei die restlichen 30 Prozent aus einer zugelassenen Liste stammen müssen, die konventionelle Baumwolle ausschließt. Unter 70 Prozent darf das GOTS-Label gar nicht verwendet werden. Ein Mischgewebe mit 50 Prozent Bio-Baumwolle ist daher nie GOTS-zertifiziert.
Der Faseranteil ist nur die halbe Miete. GOTS führt eine Positivliste zugelassener chemischer Inputs. Farbstoffe, Hilfsmittel und Druckfarben müssen Prüfungen auf Toxizität und biologische Abbaubarkeit bestehen. Schwermetalle, Formaldehyd, Chlorbleiche und PVC sind ausgeschlossen. Abwasser aus der Nassveredlung muss geklärt werden. Dazu kommen Sozialkriterien nach den ILO-Kernarbeitsnormen: existenzsichernde Löhne, geregelte Arbeitszeiten, Vereinigungsfreiheit sowie ein Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit.
Zertifiziert wird von unabhängigen Stellen wie Control Union oder Ecocert, die jeden Standort mindestens einmal jährlich auditieren und auch unangekündigt prüfen können. Wichtig: Das Zertifikat gehört dem Unternehmen, nicht dem Produkt an sich. Genau das übersehen viele Merch-Einkäufer. Eine Veredelung, die selbst nicht zertifiziert ist, kann eine GOTS-zertifizierte Blankware bedrucken und unterbricht damit die Kette. Das fertige Teil darf danach nicht mehr als GOTS-zertifiziert verkauft werden.
GOTS-zertifiziert in Branded Merch
- Programme mit Bio-Baumwolle: T-Shirts, Hoodies und Sweatshirts sind die typischen Träger. Steht Bio-Baumwolle im Zentrum eurer Nachhaltigkeitsstory, ist GOTS die Aussage, die auch kritischen Nachfragen standhält, weil sie auf Audits beruht und nicht auf dem Wort eines Lieferanten.
- Ausschreibungen und RFPs: Behörden, Hochschulen und NGOs schreiben GOTS immer häufiger fest in ihre Vergabekriterien. Zertifizierte Ware plus passende Nachweise entscheidet dann darüber, ob ihr überhaupt in die Wertung kommt.
- Entscheidungen beim Druck: Klassische Plastisolfarbe enthält PVC und ist nicht GOTS-konform. Wer die Aussage halten will, braucht eine zertifizierte Druckerei mit wasserbasierten, GOTS-zugelassenen Farben. Das verändert auch Griff und Trocknung des Drucks.
GOTS-zertifiziert bedeutet, dass ein Textil unabhängig nach dem Global Organic Textile Standard geprüft wurde, auf Bio-Faseranteil, eingeschränkte Chemie und faire Arbeitsbedingungen in der gesamten Lieferkette.
5 Tipps, um Ihre GOTS-zertifiziert-Strategie zu verbessern
| Tipp | Schritte |
|---|---|
| Lizenznummer abfragen | Jeder zertifizierte Betrieb hat eine GOTS-Lizenznummer. Prüft sie vor der Bestellung in der öffentlichen GOTS-Datenbank. |
| Transaction Certificate verlangen | Das Scope Certificate belegt den zertifizierten Betrieb. Das Transaction Certificate belegt eure konkrete Bestellung. |
| Labelstufe klären | Prüft, ob das Produkt "organic" mit 95 Prozent oder "made with organic" mit 70 Prozent ist. Die zulässige Aussage unterscheidet sich. |
| Kette nicht brechen | Arbeitet mit einer GOTS-zertifizierten Veredelung und zugelassenen Farben, sonst verliert ihr das Recht auf die Aussage. |
| Früh ins Briefing schreiben | Legt GOTS schon beim Sourcing fest. Eine laufende Bestellung lässt sich nachträglich nicht zertifizieren. |
Wichtige Begriffe
Häufig gestellte Fragen
Wie viel Bio-Faser verlangt GOTS?
Die Stufe "organic" verlangt mindestens 95 Prozent zertifizierte Bio-Fasern. Die Stufe "made with organic" verlangt mindestens 70 Prozent. Unter 70 Prozent darf das GOTS-Label nicht geführt werden.
Deckt GOTS auch Arbeitsbedingungen ab?
Ja. GOTS enthält Sozialkriterien nach den ILO-Kernarbeitsnormen zu Löhnen, Arbeitszeiten, Vereinigungsfreiheit sowie ein Verbot von Kinder- und Zwangsarbeit, geprüft in jedem zertifizierten Betrieb.
Kann ein bedrucktes T-Shirt noch GOTS-zertifiziert sein?
Nur wenn die Druckerei selbst zertifiziert ist und zugelassene Farben nutzt. Wird eine GOTS-Blankware mit klassischem Plastisol in einem nicht zertifizierten Betrieb bedruckt, bricht die Kette und die Aussage entfällt.
Wie prüfe ich, ob ein Lieferant wirklich GOTS-zertifiziert ist?
Lasst euch Lizenznummer und Scope Certificate geben und sucht beides in der öffentlichen GOTS-Datenbank auf global-standard.org. Für eine konkrete Bestellung fordert zusätzlich das Transaction Certificate an.
Ist GOTS-zertifiziert dasselbe wie OEKO-TEX?
Nein. OEKO-TEX prüft das fertige Textil auf Schadstoffe und sagt nichts über Bio-Anteil oder Arbeitsbedingungen. GOTS verlangt Bio-Fasern, eingeschränkte Chemie und soziale Standards über die gesamte Kette.







