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Mitarbeiterbefragung: ein Fragebogen zum Übernehmen, plus die Regel, die den Vergleich rettet

Ein vollständiger Fragebogen zur Mitarbeiterzufriedenheit in sechs Blöcken, die Faktoren dahinter, wie Sie Anonymität und Auswertung sauber halten, und die eine Regel, ohne die Ihre Befragung im zweiten Jahr wertlos ist.

Niels VandecasteeleNiels Vandecasteele
7 min read
Mitarbeiterbefragung: ein Fragebogen zum Übernehmen, plus die Regel, die den Vergleich rettet

Die meisten Vorlagen für Mitarbeiterbefragungen liefern eine Liste von Fragen und hören da auf. Das ist der einfache Teil. Der schwierige Teil ist, eine Befragung so aufzusetzen, dass sie im dritten Jahr noch etwas aussagt, und genau daran scheitern die meisten.

Dieser Text enthält einen vollständigen Fragebogen, den Sie übernehmen können, die Faktoren dahinter, den Umgang mit Anonymität und Auswertung, und vorab die eine Regel, die über den Wert der ganzen Übung entscheidet.

Die Regel, bevor Sie irgendetwas verschicken

Legen Sie die Formulierung jeder Frage einmal fest und ändern Sie sie nie wieder.

Im zweiten Jahr wird jemand eine bessere Formulierung vorschlagen. Sie wird tatsächlich besser sein. Und sie zerstört den Vergleich mit dem Vorjahr endgültig, weil Sie nicht mehr wissen, ob sich das Ergebnis oder die Frage verändert hat. Wollen Sie trotzdem verbessern: Stellen Sie die neue Frage zusätzlich zur alten, mindestens einen Zyklus lang, und wechseln Sie erst danach.

Dasselbe gilt für die Skala. Entscheiden Sie sich für zehn Punkte oder für fünf, und bleiben Sie dabei. Ein Wechsel macht jede Zeitreihe unbrauchbar.

Mitarbeiterbefragung, Zufriedenheit und Engagement: drei verschiedene Dinge

BegriffWas gemeint ist
MitarbeiterbefragungDas Instrument, also die Erhebung selbst
MitarbeiterzufriedenheitEin Urteil: wie jemand die Bedingungen bewertet
MitarbeiterengagementEin Verhalten: wie viel jemand einbringt

Zufrieden ohne engagiert zu sein ist ein realer Zustand: jemand findet es in Ordnung, bringt nichts darüber hinaus ein, und kündigt eines Tages, ohne dass vorher etwas passiert wäre. Wer nur die Zufriedenheit misst, sieht diese Gruppe nicht kommen.

Der Fragebogen: sechs Blöcke

Alle Aussagen auf einer Skala von 1 (trifft überhaupt nicht zu) bis 10 (trifft voll zu). Zwei bis drei Aussagen pro Block reichen; mehr senkt die Rücklaufquote, ohne den Erkenntnisgewinn zu erhöhen.

Block 1: Zufriedenheit

  • Insgesamt bin ich mit meiner Arbeit zufrieden.
  • Ich bin mit meiner Arbeitssituation im letzten halben Jahr zufrieden.

Block 2: Energie

  • Ich habe bei der Arbeit ausreichend Energie.
  • Am Ende eines Arbeitstages fühle ich mich in der Regel nicht ausgelaugt.

Block 3: Leidenschaft

  • Meine Arbeit ist für mich sinnvoll.
  • Ich gehe in meiner Aufgabe auf.

Block 4: Loyalität

  • Ich möchte in einem Jahr noch bei diesem Arbeitgeber sein.
  • Ich fühle mich diesem Unternehmen verbunden.

Block 5: Leistungsbereitschaft

  • Ich setze mich über das Geforderte hinaus ein, wenn es nötig ist.
  • Ich habe die Mittel, meine Arbeit gut zu machen.

Block 6: Weiterempfehlung

  • Ich würde diesen Arbeitgeber Freunden und Bekannten empfehlen.
  • Optional als eNPS auf einer Skala von 0 bis 10, ausgewertet als Promotoren minus Detraktoren.

Ergänzen Sie höchstens zwei offene Fragen: „Was sollten wir beibehalten?“ und „Was sollten wir als Erstes abstellen?“ Mehr offene Felder werden nicht ausgewertet, und das merken die Befragten im nächsten Jahr.

Faktoren der Mitarbeiterzufriedenheit

Wenn die Auswertung erklären soll, warum ein Wert niedrig ist, brauchen Sie die Treiber, nicht nur die Note.

FaktorTypische Wirkung
Direkte FührungskraftDer stärkste Einzelfaktor. Zufriedenheit unterscheidet sich häufiger je Führungskraft als je Abteilung
ArbeitsbelastungDer häufigste Grund für niedrige Werte, und der am seltensten offen angesprochene
EntwicklungsperspektiveDer häufigste Kündigungsgrund bei leistungsstarken Personen
AnerkennungWirkt auf die Weiterempfehlung stärker als auf die Zufriedenheit
VergütungVerhindert Unzufriedenheit, erzeugt selten Zufriedenheit
Ausstattung und ProzesseUnterschätzt. Wer seine Arbeit nicht gut machen kann, wird nicht zufrieden

Anonymität und Auswertung

  • Nie unterhalb von fünf Antworten auswerten. Anonymität zusagen und dann nach Teams von vier aufschlüsseln: einmal genügt, um die Rücklaufquote auf Jahre zu ruinieren.
  • Teilfaktoren statt Gesamtnote. Eine Gesamtnote bewegt sich kaum und verbirgt genau den Block, der sich bewegt hat.
  • Streuung vor Durchschnitt. Der Unternehmensdurchschnitt ist fast immer weniger interessant als der Abstand zwischen dem besten und dem schlechtesten Bereich.
  • Rücklaufquote als eigene Kennzahl. Sinkt sie, ist das bereits das Ergebnis: die Leute glauben nicht mehr, dass es etwas bewirkt.
  • Ausgangswert schriftlich festhalten, mit Datum, n und exaktem Fragetext.

Was eine externe Studie dazu zeigt

Sunday hat das Forschungsinstitut Sapience gemeinsam mit der Vrije Universiteit Brussel eine Studie zum Merch-Programm des belgischen Bahnbetreibers NMBS durchführen lassen, mit 258 Teilnehmenden. Für diesen Text ist weniger das Ergebnis interessant als die Methode.

Die Formulierung der bestehenden internen Befragung wurde übernommen. Genau deshalb war ein Vergleich mit dem eigenen Benchmark überhaupt möglich. Wäre ein neuer, besserer Fragebogen entworfen worden, hätte die gesamte Studie keinen Vergleichswert gehabt. Das ist dieselbe Regel wie oben, angewendet auf einen realen Fall.

Und so sieht der Nutzen der Teilfaktor-Auswertung in der Praxis aus:

TeilfaktorBenchmarkGruppe mit Merch
Weiterempfehlungsbereitschaft6,68,3
Leidenschaft7,18,3
Energie6,67,9
Loyalität6,98,0
Leistungsbereitschaft7,98,9

Die Leistungsbereitschaft lag bereits hoch und hatte am wenigsten zu gewinnen, während die Weiterempfehlungsbereitschaft am niedrigsten stand und sich am weitesten bewegte. Dieses Muster sehen Sie nur, wenn Sie aufschlüsseln. In einer Gesamtnote wäre es verschwunden.

Die Studie ist korrelativ und nicht kausal, umfasst eine Organisation in einem Land, und der interne Benchmark stammt aus 2019. Methodik, Stichprobe und sämtliche Grenzen stehen in der wissenschaftlichen Studie mit der NMBS, Sapience und der VUB.

Fünf Fehler bei Mitarbeiterbefragungen

  • Den Fragetext ändern. Der Wert wird schöner, die Zeitreihe ist weg. Nicht reparierbar.
  • Befragen ohne Rückmeldung. Eine Befragung ohne sichtbare Konsequenz ist nachweislich schlechter als keine Befragung, weil Sie ausdrücklich um eine Meinung gebeten haben.
  • Zu lang. Über fünfzehn Minuten bricht die Rücklaufquote ein, und die Antworten der zweiten Hälfte werden unbrauchbar.
  • Nur die Gesamtnote berichten. Damit verschenken Sie den einzigen Teil der Auswertung, der handlungsleitend ist.
  • Zufriedenheit mit Engagement gleichsetzen. Sie bewegen sich unterschiedlich und verlangen unterschiedliche Maßnahmen.

Für die Kommunikation der Ergebnisse siehe interne Kommunikation. Für die Kostenseite von Bindungsmaßnahmen siehe Mitarbeiterbindung und die Break-even-Rechnung.

Häufige Fragen

Welche Fragen gehören in eine Mitarbeiterbefragung?

Zwei bis drei Aussagen je Block, auf einer festen Skala: Zufriedenheit, Energie, Leidenschaft, Loyalität, Leistungsbereitschaft und Weiterempfehlungsbereitschaft. Dazu höchstens zwei offene Fragen. Entscheidend ist nicht die perfekte Formulierung, sondern dass Sie sie danach nie mehr ändern.

Wie erstellt man einen Fragebogen zur Mitarbeiterzufriedenheit?

Legen Sie eine Skala fest, formulieren Sie zwei bis drei Aussagen je Teilfaktor, halten Sie die Befragung unter fünfzehn Minuten, sichern Sie eine Auswertung erst ab fünf Antworten zu, und dokumentieren Sie den Ausgangswert mit Datum, Teilnehmerzahl und exaktem Fragetext.

Wie oft sollte man eine Mitarbeiterbefragung durchführen?

Ein kurzer Quartalspuls von etwa fünf Fragen plus eine vollständige Jahresbefragung funktioniert besser als eine einzige Jahresbefragung, weil Sie zwischendurch nachsteuern können. Häufiger befragen ohne Konsequenzen senkt die Rücklaufquote.

Wie wertet man eine Mitarbeiterbefragung aus?

Nach Teilfaktoren statt als Gesamtnote, niemals unterhalb von fünf Antworten je Auswertungseinheit, und mit Blick auf die Streuung zwischen Bereichen statt auf den Durchschnitt. Behandeln Sie die Rücklaufquote selbst als Kennzahl.

Was ist der Unterschied zwischen Mitarbeiterzufriedenheit und Mitarbeiterengagement?

Zufriedenheit ist ein Urteil darüber, wie jemand die Bedingungen bewertet. Engagement ist ein Verhalten, also wie viel jemand einbringt. Zufrieden ohne engagiert zu sein ist ein realer Zustand, den eine reine Zufriedenheitsmessung nicht sichtbar macht.

Welche Faktoren beeinflussen die Mitarbeiterzufriedenheit?

Am stärksten die direkte Führungskraft, gefolgt von Arbeitsbelastung, Entwicklungsperspektive, Anerkennung sowie Ausstattung und Prozessen. Vergütung verhindert Unzufriedenheit, erzeugt aber selten Zufriedenheit.

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Frequently asked questions

Welche Fragen gehören in eine Mitarbeiterbefragung?
Zwei bis drei Aussagen je Block, auf einer festen Skala: Zufriedenheit, Energie, Leidenschaft, Loyalität, Leistungsbereitschaft und Weiterempfehlungsbereitschaft. Dazu höchstens zwei offene Fragen. Entscheidend ist nicht die perfekte Formulierung, sondern dass Sie sie danach nie mehr ändern.
Wie erstellt man einen Fragebogen zur Mitarbeiterzufriedenheit?
Legen Sie eine Skala fest, formulieren Sie zwei bis drei Aussagen je Teilfaktor, halten Sie die Befragung unter fünfzehn Minuten, sichern Sie eine Auswertung erst ab fünf Antworten zu, und dokumentieren Sie den Ausgangswert mit Datum, Teilnehmerzahl und exaktem Fragetext.
Wie oft sollte man eine Mitarbeiterbefragung durchführen?
Ein kurzer Quartalspuls von etwa fünf Fragen plus eine vollständige Jahresbefragung funktioniert besser als eine einzige Jahresbefragung, weil Sie zwischendurch nachsteuern können. Häufiger befragen ohne Konsequenzen senkt die Rücklaufquote.
Wie wertet man eine Mitarbeiterbefragung aus?
Nach Teilfaktoren statt als Gesamtnote, niemals unterhalb von fünf Antworten je Auswertungseinheit, und mit Blick auf die Streuung zwischen Bereichen statt auf den Durchschnitt. Behandeln Sie die Rücklaufquote selbst als Kennzahl.
Was ist der Unterschied zwischen Mitarbeiterzufriedenheit und Mitarbeiterengagement?
Zufriedenheit ist ein Urteil darüber, wie jemand die Bedingungen bewertet. Engagement ist ein Verhalten, also wie viel jemand einbringt. Zufrieden ohne engagiert zu sein ist ein realer Zustand, den eine reine Zufriedenheitsmessung nicht sichtbar macht.
Welche Faktoren beeinflussen die Mitarbeiterzufriedenheit?
Am stärksten die direkte Führungskraft, gefolgt von Arbeitsbelastung, Entwicklungsperspektive, Anerkennung sowie Ausstattung und Prozessen. Vergütung verhindert Unzufriedenheit, erzeugt aber selten Zufriedenheit.

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